Zwänge – Bedrohungen

Das Naturschutzgebiet Axios-Delta liegt in unmittelbarer Nähe zur Großstadt Thessaloniki und erstreckt sich im Bereich einer der produktivsten Regionen Griechenlands. Hieraus entsteht eine Reihe von Problemen, deren Lösung komplexer Natur ist. Die wesentlichen Bedrohungen für die Umwelt des Naturschutzgebietes sind:

Die Verschmutzung von Oberflächen- und Grundwasser. Oberflächen- und Grundwasser der Region sind infolge der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung, des Betriebs zahlreicher Industrie- und Handwerksbetriebe (Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, Zuckerproduktion, Papiermühlen, chemische und agrochemische Industrie usw.), der intensiven Weide- und Stallhaltung von Nutztieren sowie der starken Verstädterung chemisch und ökologisch besonders belastet. Beim Axios spielt darüber hinaus auch die grenzüberschreitende Verschmutzung eine Rolle. Der endgültige Abnehmer des verschmutzten Flusswassers sowie der städtischen und industriellen Abwässer von Thessaloniki ist der Thermaische Golf. Sein heutiger Zustand ist auch nach der Inbetriebnahme einer die Verhältnisse im Vergleich zu früher verbessernden Wasseraufbereitungsanlage problematisch (z.B. gesteigerte Belastung der Bodenablagerungen mit Schwermetallen wie Blei, Quecksilber und Chrom sowie Phänomene einer starken Eutrophierung aufgrund der hohen Konzentration an Nährstoffen und der daraus resultierende Überschuss an giftigem Plankton).

λύματα κτηνοτροφίας

Nicht nachhaltige Wasserwirtschaft. Die drei Hauptverbraucher des Oberflächen- und Grundwassers der Region sind: Landwirtschaft, Industrie und die städtische Wasserversorgung. Der gesteigerte Wasserbedarf in den Sommermonaten führt zu einem Absinken des Wasserstandes der Flüsse, was unter anderem auch auf die illegale Wasserentnahme von Landwirten in Flussnähe zurückzuführen ist, die nicht an die Infrastruktur zur Bewässerung ihrer Felder angeschlossen sind.

Illegale Bautätigkeit und Zwänge durch die städtebauliche und industrielle Entwicklung. Die enge Nachbarschaft zu den Industriegebieten von Thessaloniki erhöht den Druck, Handel, Handwerk und Industrie auch im Naturschutzgebiet weiter entwickeln zu lassen. Dies steht in Konkurrenz zur Raumordnungsplanung des Naturschutzgebietes und im Widerspruch zu europäischen Richtlinien und der griechischen Gesetzgebung zum Umweltschutz. Darüber hinaus entstellen zahlreiche Holzhütten und kleine, illegal errichtete Bauten auf dem Küstenstreifen zwischen Kalochori und Chalastra sowie in kleinerem Umfang im Mündungsgebiet des Loudias die Landschaft. Die Gebäude und provisorischen Anlagen bieten gerade in den letzten Jahren aufgrund der allgemeinen ökonomischen Krise ein Bild des Verfalls.

Unkontrolliertes Abladen von Festabfällen (Bauschutt und Müll). Eines der größten Probleme des Naturschutzgebietes ist das unkontrollierte Abladen von Bauschutt und Müll in freier Natur. Auwälder, Feuchtbiotope, Küstenstreifen, die früher als Erholungsgebiete dienten, sind heute zu Müllhalden verkommen. Neben der ästhetischen Abwertung der Landschaft birgt diese Praxis die Gefahr der Verschmutzung von Oberflächen- und Grundwasser, der Luftverschmutzung, der Bodenkontaminierung sowie der Entstellung seltener, empfindlicher Biotope. Den Aufzeichnungen der Trägerorganisation ist zu entnehmen, dass diese Gefahren umso größer werden, je geringer die Entfernung des betreffenden Gebietes zu Thessaloniki ist.

μπάζα Αξιός

Falsch angewandte landwirtschaftliche Methoden. Die Intensivierung der Landwirtschaft – besonders des Reisanbaus – führt zur Anwendung landwirtschaftlicher Methoden mit negativen Konsequenzen für die Umwelt. Ein jedes Jahr zu beobachtendes Phänomen ist das der Ernte folgende Verbrennen von Reispflanzen. Hierbei entsteht erstickender Rauch, der schädlich für die öffentliche Gesundheit ist. Das rücksichtslose Streben nach Produktionssteigerung einiger landwirtschaftlicher Betriebe verleitet auch andere Unternehmen zum übermäßigen Einsatz von Phytopharmaka und Düngemitteln sowie zur illegalen Urbarmachung.

Falsch angewandte Fischfang und Aquakulturmethoden. Hauptproduktionszweig im Thermaischen Golf ist die Küstenfischerei. Wenige Berufsfischer gehen ihrer Tätigkeit mit kleinen Booten und Netzen auch in den Flüssen und ihren Mündungsgebieten nach und Hobbyfischer mit Angeln. Im Lauf der von April bis Anfang Juni dauernden Laichzeit, während der die Fischerei in Binnengewässern untersagt ist, stellen die Wächter der Trägerorganisation immer wieder illegalen Flussfischfang im Naturschutzgebiet fest und zwar in den Flussteilen des geschützten Gebiets, in den Mündungsgebieten oder oberhalb des Axios-Stauwehres bei Eleousa. Des Weiteren existieren Berichte über Fälle von Elektrofischerei in den Flüssen (illegaler Fischfang unter Zuhilfenahme elektrischen Stroms) – die wohl zerstörerischste Methode, die jeden lebenden Organismus im Umkreis von 2 Metern tötet!

Falsch angewandte Methoden der Miesmuschelzucht können die Belastbarkeit des marinen Ökosystems beeinflussen – d. h. seine Fähigkeit, den hier lebenden Organismen ausreichend Nahrung, Platz und Sauerstoff zur Verfügung zu stellen. Dies hat seine Ursache u. a. in der Ernährung der gezüchteten Arten, die dem Wasser natürlich vorhandene Rohstoffe (Plankton, Sauerstoff usw.) entnehmen, oder in der falschen Anordnung der Anlagen, die bei zu dichter Formation die Fließgeschwindigkeit des Wassers reduzieren und so die Selbstreinigungsfähigkeiten des Golfes senken, was wiederum zu einer höheren Belastung der Bodenablagerungen durch herabsinkende organische Stoffe führt. Darüber hinaus führen unzulässig angewandte Verfahrensweisen (Verwendung ungeeigneter Schwimmkörper, Entsorgung nicht mehr benötigter Zuchtnetze im Meer usw.) zum Verlust der ökologischen Qualitäten des marinen Biotops und in der Folge zum Qualitätsverlust der gezüchteten Produkte selbst.

Intensive Viehzucht und Überweidung. Nach den 50er Jahren wurden zahlreiche Flächen, die zuvor noch zu den Feuchtgebieten gehörten, in die Landwirtschaft einbezogen, wodurch die Größe von Weideflächen in hohem Maße verringert wurde. So sind heute die aus Sicht der Biodiversität wertvollsten Gebiete mit den malerischsten Landschaften und den seltensten Vogelarten durch Weidehaltung von Nutztieren (Schafen, wenigen Ziegen und vor allem Rindern) bedroht. Auch die Auwälder werden beeinträchtigt und zum Negativen verändert.

Wilderei. Die illegale Jagd – Wilderei – ist eine Geißel der griechischen Landschaft und ihrer Fauna. Fehlende Forstaufsicht und mangelnde Anwendung der Gesetze, sowie fehlende Information und Sensibilisierung der Jägerschaft haben jedes Jahr den sinnlosen Tod und die Verwundung hunderter Wildtiere zur Folge. Eine Lösung dieses riesigen Problems kann auf der Basis des gemeinsamen Interesses an der Erhaltung der wilden griechischen Natur nur in Zusammenarbeit der Jägerschaft und der Umweltschutzorganisationen erfolgen.

Illegale Sandentnahme. Fälle illegaler Sandentnahmen wurden an den Flüssen Axios und Aliakmon beobachtet. An den Stellen der illegalen Sandentnahme ist das Ökosystem des Flussufers zu Schaden gekommen und das Flussbett verändert worden, sogar landwirtschaftliche Flächen sind bedroht. In einigen Fällen wurden die völlige Zerstörung des Pflanzenbewuchses und das Fällen von Bäumen konstatiert.

Illegaler Holzeinschlag. Der illegale Holzeinschlag im Axios-Delta ist ein Phänomen, das in größerem Maßstab erst seit Beginn der ökonomischen Krise in Griechenland und der damit verbundenen Verteuerung des Heizöls zu beobachten ist. Illegale Rodung begegnet uns in den Auwäldern von Axios und Aliakmon.

Über die angeführten Beobachtungen hinaus muss auch der Einfluss der durch den Klimawandel gestiegenen Temperaturen, des ansteigenden Meeresspiegels und der extremen Wetterphänomene, wie Überschwemmungen, auf das Naturschutzgebiet erwähnt werden.

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